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Das Festival steht vor der Tür: Gordons Nischen, Markus‘ Winkel und Oscars Wellen

Jetzt ist es bald soweit: das 12. aDevantgarde-Festival steht unmittelbar vor der Tür. Alle Partituren sind fertig, mancher Musiker von den anstrengenden Endproben. Als letzter wurde ich fertig. Kein Wunder, wenn man einerseits die beauftragten KollegInnen anhält, zu Potte zu kommen. Immerhin bleibt mir Johannes Paul II. papaler Glanz vergönnt: mit „non abbiate paura“, deutsch „habt keine Angst“, nehme ich hoffentlich den letzten Zweiflern die Furcht. Was ich aus Hamburg von den Proben des Decoder-Ensemble verraten kann: es gibt den Musikern um Leopold Hurt und Frauke Aulbert sogar Freude, so dass ihr gesamtes Programm für den 22.6.13, 19:30 Uhr, Club Bob Beaman, ihnen Spass machen dürfte. Gordon Kampes dort auch anstehende Uraufführung „Nischenmusik“ hat mir beim reinem Notenlesen köstliches Vergnügen bereitet.

Bevor ich selbst an der Reihe sein werde, richte ich meine Aufmerksamkeit auf das Vigilia-Konzert, 21.6.13, 21:30 Uhr, Allerheiligenhofkirche. Markus Schmitt hat mit Julius Berger ein wirklich wunderbares Programm erarbeitet! Die Klassiker von Sofia Gubaidulina und Arvo Pärt für Cello-Ensemble sind ruhende Eckpfeiler, zwischen denen die anderen bereits bestehenden Stücke von Manuela Kerer und Giovanni Bonato hoffentlich in guten Händen von Julius Berger und seinem CelloPassionato aufgehoben sein werden. Im Gegensatz zu Kampe sah ich Markus Schmitts „In den Winkeln“ – Nokturn für acht Celli noch nicht. So geheimnisvoll wie Markus daran feilte, bin ich höchst gespannt, ob sein Stück aufgehen wird. Aber auch ihm blieb wie mir wenig Zeit zum eigenem komponieren: ich regte ihn an, ein Cellosolo-Streichorchesterwerk seines Lehrers Wilhelm Killmayer für CelloPassionato und Herrn Berger umzuarbeiten. Er überzeugte Killmayer von diesem Plan und machte sich ans Werk, „Sostenuto“, eine Art Studie über das Ein- und Ausatmen, von Streichorchester für acht Celli zu reduzieren.

Wir sind nun richtig stolz, so eine Uraufführung einer neuen Version eines Killmayer-Werkes bekommen zu haben. So bekannt Wilhelm Killmayer hier in München und Süddeutschland ist, so wurde es merkwürdigerweise ruhiger um ihn. Gesundheitlich in den letzten Jahren angeschlagen, komponierte er immer weniger. Allerdings sollte dies ihm keine Probleme mit Aufführungen bereiten, kann er doch auf einen reichhaltigen Werkkatalog zurückblicken. Kammermusikalisch und vokal ist er nach wie vor präsent. Die Orchester vernachlässigen ihn allerdings sträflich, was um so mehr erstaunlich, wo sein aufgeführtes Oeuvre doch immer ein Ereignis für Kenner und Laien ist, wie er das Feld zwischen enigmatischer Fülle des unmittelbaren Einfalls und der wohldosierten Kargheit beherrscht. Es freut uns ungemein, ihn als Meister der grösseren Besetzung mit unseren bescheidenen Mitteln dem Publikum in Erinnerung rufen zu dürfen.

Eine weitere Anregung meinerseits für das Vigilia-Konzert ist die Auftragsvergabe an Oscar Strasnoy. Das Festivalteam war gespannt, ob er Zeit für uns finden wird. Seine Musik kenne ich aus Konzerten und Erzählungen meiner Frankfurter Studienkollegen, die ihn als Schüler von Hans Zender erleben durften. Inzwischen hat er sich zu einem der wichtigsten Opernkomponisten Europas entwickelt, werden seine Opern in Italien, Frankreich und Deutschland beauftragt und wiederaufgeführt. In München erlebte man zuletzt eine Produktion der Theaterakademie mit „Le Bal“. Wie man jetzt sieht klappte es! Er widmete uns „Vague Requiem“, welches auf einem Roman von William Faulkner beruht und wonach er, der Unerschöpfliche und Ideenreiche, wieder eine Oper komponiert. Danke Oscar!

Autor: Alexander Strauch